Translokation in Polen aufgrund von Dürre und Kälte abgesagt

Die Saison 2025 war für die Populationen des Seggenrohrsängers in Polen eines der schwierigsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen, insbesondere im Biebrza-Tal – einem wichtigen Lebensraum dieser seltenen Vogelart. Die extreme Dürre, die von Anwohnern und Experten als die schlimmste seit der Gründung des Biebrza-Nationalparks beschrieben wird, hat die Brutbedingungen stark beeinträchtigt. Hinzu kam ein ungewöhnlich kalter Frühling: laut dem nationalen Institut für Meteorologie und Wasserwirtschaft lag die Durchschnittstemperatur im Mai 2 °C unter dem langjährigen Mittel. Die kombinierten Auswirkungen von Trockenheit und Kälte beeinträchtigten sowohl die Lebensraumqualität als auch die Nahrungsverfügbarkeit erheblich, insbesondere die Insektenbestände, die für die Fütterung der Küken unerlässlich sind. Erschwerend kam hinzu, dass große Teile des Biebrza-Tals im Winter gemäht wurden, was für die Entwicklung einer ausreichend hohen Vegetation ebenfalls ungünstig war.

Feuer im Biebrza-Nationalpark, Polen. Quelle: https://x.com/JacekDobrzynski
Feuer im Biebrza-Nationalpark, Polen. Quelle: https://x.com/JacekDobrzynski

Verschiebung der Brutzeit und geringe Anzahl an Nestern

Ähnlich wie in den Vorjahren begann die Nestsuche für die Umsiedlung junger Seggenrohrsänger am 19. Mai, doch bis zum 9. Juni wurden nur acht Nester gefunden, von denen zwei bereits aufgegeben worden waren. Küken waren Anfang Juni noch keine geschlüpft. 2024 hingegen hatte die Brutsaison Ende Mai bereits ihren Höhepunkt erreicht: damals waren bis Anfang Juni 28 Nester mit 130 Küken gefunden worden, von denen schließlich 10 Nester mit 46 Küken für die erfolgreiche Translokation nach Westpolen ausgewählt wurden.

Angesichts der logistischen Herausforderung, die Seggenrohrsänger-Küken per 8 Stunden langer Fahrt nach Vorpommern zu transportieren, kann eine Translokation nur erfolgen, wenn eine ausreichend große Gruppe von Küken ähnlichen Alters und guter Gesundheit vorhanden ist. Vor dem Hintergrund des geringen Bruterfolgs hatte das Team zunächst erwogen, statt der geplanten 50 nur 25 Küken umzusiedeln. Dies hätte jedoch einen guten Zustand der Jungvögel vorausgesetzt.

Schwierige Entscheidung zum Wohle der Art

Nach gemeinsamer Diskussion und sorgfältiger Bewertung innerhalb des polnischen OTOP-Teams wurde beschlossen, die Translokation im Jahr 2025 abzusagen, weil die aktuellen Brutbedingungen eine sichere und effektive Umsiedlung der Küken nicht zulassen würden. Um 25 Küken für eine erfolgreiche Translokation auswählen zu können, wäre erfahrungsgemäß das Auffinden von etwa 18 Nestern mit etwa 70 entwicklungsfähigen Eiern erforderlich. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Gelegegröße viel kleiner zu sein schien als im Jahr 2024.

Darüber hinaus könnte der Umweltstress, der sich wahrscheinlich auf die Gesundheit der Küken auswirkt, die Überlebensraten während des Herbst- und Frühjahrszuges erheblich verringern und die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr in der nächsten Saison senken – was letztlich die beabsichtigte Unterstützung der empfindlichen pommerschen Population zunichte machen würde.

 

Ausblick: Klimaanpassung und Planungen für das kommende Jahr

Trotz der Dürre waren Seggenrohrsänger im Biebrza-Nationalpark zu finden. Foto: Klaus Nigge
Trotz der Dürre waren Seggenrohrsänger im Biebrza-Nationalpark zu finden. Foto: Klaus Nigge

Das polnische Team engagiert sich weiterhin für den Schutz des Seggenrohrsängers. Es wird nach Lösungen suchen, um sich auf zukünftige Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel vorzubereiten und um auch unter widrigen Bedingungen umsiedlungsfähige Jungvögel aufzufinden. In der Hoffnung auf günstigeres Wetter und eine verbesserte Lebensraumqualität im kommenden Jahr will das Team die Umsiedlungsbemühungen 2026 mit stärkeren Anpassungsstrategien und einem erweiterten ökologischen Verständnis wieder aufnehmen.

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