Neue Studie über den Translokationserfolg bei Seggenrohrsängern erschienen

Der Seggenrohrsänger hat es auf die Titelseite einer Sonderausgabe von „Animal Conservation“ geschafft!

Eine aktuelle Studie berichtet von einem bemerkenswerten Durchbruch für die Rettung des Seggenrohrsängers (Acrocephalus paludicola), einem der seltensten Vögel Europas. Sie wurde kürzlich in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift Animal Conservation veröffentlicht.

Zum ersten Mal ist es Wissenschaftlern gelungen, eine Translokation des vom Aussterben bedrohten Seggenrohrsängers erfolgreich umzusetzen. Ein internationales Forscherteam um Žymantas Morkvėnas konnte nachweisen, dass Seggenrohrsänger, die als Küken von Belarus nach Litauen umgesiedelt wurden, nach ihrem ersten Zug in die afrikanischen Überwinterungsgebiete an den Ort ihrer Auswilderung in Litauen zurückkehren und dort eine Brutpopulation aufbauen können. Von diesem Beispiel geht neue Hoffnung für den weltweiten Artenschutz aus.

Eine namhafte Fachzeitschrift für Naturschutzforschung

Die von der Zoological Society of London herausgegebene Fachzeitschrift Animal Conservation ist ein führendes Peer-Review-Journal mit hohen wissenschaftlichen Standards. Dort werden aktuelle Forschungsergebnisse veröffentlicht, die direkt in Naturschutzstrategien und -maßnahmen einfließen. Die Aufnahme der Studie in diese renommierte Zeitschrift unterstreicht ihre wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und die Bedeutung der Ergebnisse für die weltweiten Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt.

Ein gewagtes Experiment, das dem Bestandsrückgang entgegenwirken soll

Der Seggenrohrsänger ist Europas am stärksten gefährdeter Singvogel. In den letzten Jahrzehnten sind über 90 % seiner Brutpopulation aufgrund der Zerstörung seines Lebensraums verloren gegangen. Klassische Schutzmaßnahmen wie die Erhaltung und Wiederherstellung von Habitaten haben den Rückgang zwar verlangsamt, aber isolierte Populationen schrumpfen weiterhin. Um dem entgegenzuwirken, haben Wissenschaftler den Versuch gestartet, Jungvögel umzusiedeln und auf ein neues Brutgebiet zu prägen, bevor sie das erste Mal zum Überwintern nach Afrika ziehen.

Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts „LIFE MagniDucatusAcrola“ wurden in den Jahren 2018 und 2019 100 Seggenrohrsänger-Küken behutsam aus Belarus in das litauische Biosphärenreservat Žuvintas transportiert, wo sie von Hand aufgezogen und in bewirtschafteten Niedermooren freigelassen wurden. Anschließend wurde untersucht, ob die Vögel nach ihrem ersten Zug in ihre neue Heimat zurückkehren.

Ein überwältigender Erfolg: Die Vögel kamen wieder!

Die Ergebnisse des Versuchs übertrafen alle Erwartungen:

✔ Bis zu 22 % der umgesiedelten Vögel kehrten an den Ort ihrer Auswilderung zurück – eine ähnlich hohe Rückkehrquote wie in natürlich begründeten Populationen.

✔ Einige Vögel kehrten in zwei oder drei aufeinander folgenden Jahren zurück und brüteten nachweislich im Auswilderungsgebiet.

✔ Die lokale Populationsgröße im Auswilderungsgebiet hat sich vervierfacht und 2020 einen Rekordwert von 33 singenden Männchen erreicht – ein Anstieg, der ohne die Translokation nicht möglich gewesen wäre.

Warum ist dieser Erfolg wichtig?

Die Studie ist ein Meilenstein für den Artenschutz: Bislang wurde eine Translokation von Langstreckenziehern selten versucht, weil die Gefahr des Scheiterns für zu hoch gehalten wurde. Der Erfolg dieses Versuchs widerlegt diese Annahme und ist ein Türöffner für ähnliche Bemühungen zum Erhalt anderer bedrohter Zugvogelarten.

Die Studie ist außerdem ein Beleg dafür, wie positiv sich menschliche Unterstützung auf die Bestandsentwicklung einer Art auswirken kann – allerdings nur in Kombination mit dem Schutz von Lebensräumen. Im Projektgebiet in Žuvintas wurden vor der Ankunft der Jungvögel aus Belarus günstige Habitatbedingungen wiederhergestellt – in dem Wissen, dass die Translokation allein nicht die rettende Lösung ist. Es braucht auch geeignete Lebensräume am Ort der Auswilderung, damit die Vögel dorthin zurückkehren.

Ein Aufruf zum Handeln

Die Zukunft des Seggenrohrsängers bleibt ungewiss, aber die Studie hat bewiesen, wie gut Schutzmaßnahmen funktionieren können. Regierungen, Naturschützer und Fördermittelgeber müssen Ansätze wie diesen nun auch in größerem Maßstab umsetzen und weitere Populationen wiederbeleben, bevor es zu spät ist.

Im Kampf gegen den Biodiversitätsverlust ist die in Animal Conservation veröffentlichte Studie ein Hoffnungsschimmer: Mit den richtigen Strategien sind selbst Arten am Rande des Aussterbens noch zu retten.

Der Artikel in voller Länge: https://zslpublications.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/acv.13018

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